Der Deutsche Skiverband und zahlreiche Sportler reagieren mit Bedauern und teilweise Fassungslosigkeit auf die Entscheidung des Executive Board des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die Nordische Kombination nicht in das Wettkampfprogramm der Olympischen Winterspiele 2030 aufzunehmen.
Freude hingegen bei den Fans und Funktionären des Freeride-Sports: Erstmals werden bei den XXVI. Olympischen Winterspielen, die vom 1. bis zum 17. Februar 2030 in den französischen Alpen stattfinden sollen, Wettkämpfe im Geländefahren (Ski und Snowboard) ins Programm aufgenommen.
"Natürlich hätten wir uns ein anderes Ergebnis gewünscht", sagt Andreas Schlütter, Vorstand Sport im Deutschen Skiverband. "Wir respektieren die Entscheidung des IOC, auch wenn sie aus unserer Sicht nur schwer nachvollziehbar ist. Die Nordische Kombination ist eine unserer Kerndisziplinen und hat den nordischen Skisport über viele Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt. Gleichzeitig kommt diese Entwicklung nicht völlig überraschend. Jetzt gilt es, die Entscheidung in Ruhe zu analysieren und gemeinsam mit unseren Partnern die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Dabei werden wir auch bewerten müssen, welche Auswirkungen sie mittel- und langfristig auf unsere Förderstrukturen haben kann. Unabhängig davon steht für uns fest, dass wir die Nordische Kombination weiterhin engagiert begleiten und ihr auch künftig eine sportliche Perspektive bieten werden," so Schlütter in einer Mitteilung auf www.deutscherskiverband.de.
Die Nordische Kombination galt in den letzten Jahrzehnten als eine der stärksten Disziplinen des DSV bei Olympischen Winterspielen. Die traditionsreiche Sportart, die bereits bei den ersten Winterspielen im Jahr 1924 im Olympia-Programm dabei war, brachte dem DSV zahlreiche Medaillen ein. Mit Franz Keller, Georg Thoma, Georg Hettich, Johannes Rydzek, Vinzenz Geiger, Fabian Rießle, Ulrich Wehling und Eric Frenzel kann die BRD/DDR alleine acht Einzel-Goldmedaillensieger vorweisen.
"Für unsere Athletinnen und Athleten, Trainerinnen und Trainer sowie die vielen Ehrenamtlichen in den Vereinen ist diese Entscheidung zunächst einmal eine große Enttäuschung", erklärt Horst Hüttel, Sportdirektor Nordisch im Deutschen Skiverband. "Jetzt richtet sich unser Blick nach vorne. Gemeinsam werden wir bewerten, welche Konsequenzen sich daraus ergeben und wie wir die Nordische Kombination künftig bestmöglich weiterentwickeln können. Dazu gehört selbstverständlich auch der enge Austausch mit den anderen führenden Skinationen sowie insbesondere mit der FIS."
Das IOC begründete seine Entscheidung damit, dass bei den meisten Beliebtheitsindikatoren die Nordische Kombination bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi, 2018 in Pyeongchang, 2022 in Peking und 2026 in Mailand-Cortina den letzten Platz unter allen Disziplinen belegte. Darüber hinaus stehe die Disziplin hinsichtlich ihrer Universalität und der Teilnehmerzahl bei den Olympischen Spielen weiterhin vor Herausforderungen. Nur fünf Nationale Olympische Komitees (NOKs) gewannen bei den letzten vier Olympischen Winterspielen Medaillen in der Nordischen Kombination.
Unverständnis hingegen bei vielen deutschen Fans und Spitzensportlern, wie zum Beispiel Rennrodler Felix Loch.
„Die heutige Entscheidung des IOC ist eine Hiobsbotschaft für den österreichischen Wintersport und ein schwerer Schlag für die Nordische Kombination. Kaum eine andere Disziplin steht so sehr für Tradition und eine österreichische Erfolgsgeschichte wie diese. Wir sind zutiefst enttäuscht, dass die sichtbare Weiterentwicklung dieser Sportart nicht ausreichend berücksichtigt wurde. Unsere Athletinnen und Athleten haben enorme Fortschritte gemacht, die leider nicht jene Anerkennung finden, die sie verdienen. Die Auswirkungen dieser Entscheidung reichen weit über die Nordische Kombination hinaus. Auch das Skispringen ist unmittelbar betroffen, denn ohne olympische Perspektive wird es mittelfristig schwieriger werden, Schanzenanlagen zu erhalten und den Nachwuchs nachhaltig zu fördern. Am schwersten wiegt jedoch eines: Vielen Talenten wird mit einem Schlag eine Zukunftsperspektive genommen. Kinder und Jugendliche, die mit Leidenschaft trainieren, verlieren ihr großes Ziel – den olympischen Traum. Wir werden dennoch alles dafür tun, die Nordische Kombination stark zu halten und gemeinsam mit der FIS sowie unseren Partnern Wege zu finden, dieser einzigartigen Sportart eine attraktive Bühne und eine stabile Zukunft zu sichern.“
Zudem hat das IOC seine Entscheidung bekanntgegeben, dass Freeriden 2030 erstmals einen Platz im Olympischen Programm bekommt. Freeriden habe international ein rasantes Wachstum erlebt und profitiere dabei von einer starken jugendlichen Fangemeinde sowie visuell spektakulären Wettkämpfen. Die Disziplin nutze ein natürliches Spielfeld, wodurch die Auswirkungen auf die Spiele minimiert werden, so die Begründung des IOC. In vier Wettbewerben (Ski Herren, Ski Damen, Snowboard Herren, Snowbaord Damen) wird 44 Athleten (22 Frauen und 22 Männern) erstmals die Chance gegeben, bei den Olympischen Spielen anzutreten.
Im Gegensatz zum DSV herrscht im Lager von Snowboard Germany große Freude. Die Entscheidung des IOC, den Parallel-Riesenslalom im Programm für 2030 zu belassen und zudem zusätzlich das Teamevent aufzunehmen, sorgte bei Sportdirektor Andreas Scheid in erster Linie für Erleichterung. „Wir sind alle super happy. Olympia ist und bleibt ein großer Traum für unsere Athletinnen und Athleten, die jeden Tag hart darauf hinarbeiten, und eine riesige Motivation für unseren Nachwuchs. Wir freuen uns sehr über die Entscheidung des IOC, den Parallel-Riesenslalom im olympischen Programm zu halten und den Teamwettbewerb neu aufzunehmen“, sagte er.